Rubrik: Aus den Medien

Die Suche geht unermüdlich weiter (SN vom 25.10.2013)

Ein Nachfolger für Herbert Aschwandens Vorzeigespital konnte, trotz enormer Bemühungen des Vereins Hilfe für Simbabwe, am Mittwoch an der Generalversammlung nicht präsentiert werden.

 

Haben über 30 Jahre lang in Afrika gelebt: Rita und Herbert Aschwanden aus Stein am Rhein. Sie haben die Ärmsten der Armen medizinisch versorgt.Bild Edith Fritschi
Haben über 30 Jahre lang in Afrika gelebt: Rita und Herbert Aschwanden aus Stein am Rhein. Sie haben die Ärmsten der Armen medizinisch versorgt.Bild Edith Fritschi

VON MARK SCHIESSER

STEIN AM RHEIN  «Solange wir die Möglichkeit haben, dass die Ärmsten der Armen in Afrika eine medizinische Behandlung bekommen, wollen wir das mit Unterstützung unseres Vereins auch weiterhin machen», betonte Vereinspräsident Kurt Werner am Mittwochabend zu Beginn der Generalversammlung.

Dies nach kritischen Tönen in Bezug auf die politische Lage vor Ort und der Tatsache, dass die unermüdlichen Schaffer Rita und Herbert Aschwanden nach über 30-jähriger Tätigkeit in die Schweiz zurückgekehrt sind (siehe auch SN vom 23. 10.). Trotz zahlreicher Entschuldigungen waren gegen 50 Mitglieder gekommen, um die von Felix Schmid präsentierte Jahresrechnung des Vereins Hilfe für Simbabwe einstimmig zu genehmigen und auch dem kürzlich verstorbenen Gründungsmitglied Herta Brügel zu gedenken. Man sei mit den Ausgaben sehr sparsam gewesen und habe keine weiteren Ausbauarbeiten getätigt, obwohl es dauernd etwas zu reparieren gebe, erklärte Werner in Bezug auf die noch gute Vermögenslage. «Wenn wir einen kompetenten und langjährigen Nachfolger für Herbert Aschwanden finden, müssen wir ihm eine Krankenkasse und eine Pensionsversicherung gewährleisten können.» Es liege auf der Hand, eine Entlöhnung samt Sozialleistungen für mindestens zwei Jahre garantieren zu können.

Aschwanden bedankte sich

Aschwandens hingegen reichte die AHV aus, und selbst für die jährliche Rückkehr in die Schweiz kamen sie selber auf. Das werde in Zukunft bestimmt nicht mehr vorkommen, so Werner. Mit den aufbauenden Worten «Leben kann nicht existieren, wenn es nicht dauernd gegen den Zerfall ankämpft» und einem herzlichen Dankeschön an den Verein sowie allen, die das Spital ermöglicht haben, begann Herbert Aschwanden – zum letzten Mal wie der 80-Jährige betonte – seinen Rückblick über die Tätigkeit in Afrika. Man müsse auch die Krise in Kauf nehmen, weil sie ein Ansporn sei, um aufzubauen, ermunterte er und zeigte anhand von eindrücklichen Fotos ein etwas anderes Bild vom «Leben und Tod in Harmonie». Aber auch anhand von Statistiken und Zahlen zeigte er die beeindruckenden Leistungen bei der Spitalarbeit, der Betreuung der Waisenkinder sowie der Aids- und HIV-Patienten. Sein Dank ging auch an seine Gemahlin, welche infolge eines Beinbruchs im Spital weilt und ohne die er dem oft belastenden Alltag kaum hätte standhalten können, sowie an das Mitglied Ernst F. Sauerbruch, das über den Stand der Nachfolgeregelung in Muvonde sowie die eingeleiteten Massnahmen zur Sicherstellung der Spendenverwendung informierte. Man habe mit fünf Bewerbern Gespräche geführt, welche sich aufgrund der Begleitumstände in Muvonde leider nicht für das Angebot entschieden hätten. Ein weiterer Arzt, der in Australien lebt, hätte sich für eine Mitarbeit von zunächst drei Monaten entschieden. «Wir hoffen, dass er im Dezember anfangen wird. Im Augenblick laufen die umfangreichen Formalitäten der Zulassung», liess Sauerbruch verlauten. Herbert Aschwanden hat sich in seinem letzten Jahresbericht als Abschiedsgeschenk gewünscht, weiterhin den Verein zu unterstützen, damit das Spital am Leben bleibt. «Es hilft den Ärmsten dieser Welt.»

Verein Hilfe für Simbabwe Eine eindrucksvolle Bilanz

Von 2001 bis 2010 wurden am Muvonde Hospital 49 330 Patienten stationär und 196 599 Menschen ambulant behandelt. Im selben Zeitraum wurden vom Verein Hilfe für Simbabwe knapp 2 Millionen Franken investiert. Der Verein mit Sitz in Stein am Rhein kann weder die politische noch die wirtschaftliche Lage in Simbabwe beeinflussen. Es ist ihm aber immer gelungen, die Ärzte und das Spitalpersonal materiell und moralisch zu unterstützen und so das Überleben nachhaltig zu sichern. (r.)

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